Therapiemöglichkeiten

Prinzipien der Medikamententherapie

Die Gabe von Medikamenten ist ein Kernbestandteil der Herzschwäche-Behandlung. Seit Ende der 1980er-Jahre hat sich die Arzneitherapie bei Herzinsuffizienz revolutioniert. Insbesondere wenn es sich um eine chronische Auswurfschwäche der Herzkammern handelt (diese Form der Erkrankung wird auch als systolische Herzinsuffizienz bezeichnet), sind inzwischen verschiedene Arzneien verfügbar, die die Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten nachweislich steigern. Je nach Erkrankungsschwere und genauem Krankheitsbild können sie nach einem Stufenschema miteinander kombiniert werden.

Ziele der Therapie

Grundsätzlich werden mit Herzschwäche-Medikamenten zwei Ziele verfolgt:

  • Die Beschwerden unmittelbar lindern: Darin liegt der Nutzen von harntreibenden Mitteln, den Diuretika. Sie entziehen dem Körper unnötiges Wasser, das sich aufgrund der Herzschwäche in Lunge, Bauch und Beinen ansammeln und zu Atemnot und anderen Symptomen führen kann.

  • Die Krankheitsprognose verbessern: Dazu sind insgesamt vier verschiedene Arzneistofftypen verfügbar. Sie werden als Betablocker, ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker und Aldosteron-Antagonisten bezeichnet. Bei Herzschwäche kommt es durch verschiedene Hormoneffekte zu einem chronischen Stresszustand im Organismus und zu schädlichen Umbau- und Vernarbungsprozessen im Herzmuskel. Die Mittel schützen das Herz dagegen und mildern den Krankheitsverlauf ab.

Die beste Dosis finden

Die optimale Einstellung der Arzneitherapie braucht Zeit. Oft dauert es einige Wochen, mitunter sogar Monate, bis sich die Effekte einer Behandlung vollständig bemerkbar machen. Die Dosis einiger Medikamente (etwa Betablocker, ACE-Hemmer) sollte dabei nur allmählich gesteigert werden, um die Reaktion des Organismus beobachten zu können und die bestmöglichen Dosierungen zu finden. Dieser Prozess kann bisweilen Geduld verlangen.

Auch im Verlauf der Erkrankung kann es immer wieder vorkommen, dass die Dosis einzelner Medikamente angepasst oder auch eine weitere Arznei hinzugefügt werden muss, um die Herzinsuffizienz zu kontrollieren. Da Herzschwäche-Mittel oft den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers beeinflussen, müssen zudem die Blutsalze (Elektrolyte) und die Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin) in gewissen Abständen durch eine Blutabnahme kontrolliert werden. Besonders wichtig ist, zu hohe oder zu niedrige Kaliumspiegel im Blut zu vermeiden, die teils schwere Herzrhythmusstörungen auslösen können.

Gerade bei älteren Menschen ist stets Sorgfalt geboten: Nicht selten ist bei ihnen die Nierenfunktion grundsätzlich verringert, und sie scheiden Medikamente schlechter aus. Zudem nehmen sie wegen anderer, gleichzeitig vorliegender Erkrankungen oft weitere Arzneimittel ein. Hier sollte der behandelnde Arzt einen genauen Überblick über alle verwendeten Substanzen haben – auch über die möglicherweise vom Patienten eigenständig gekauften Präparate wie etwa Schmerzmittel. Nur so lassen sich riskante Wechsel- und Nebenwirkungen vermeiden.

Behandlung je nach Form der Erkrankung

Bei Patienten mit einer chronischen Auswurfschwäche des Herzens (sogenannte systolische Herzinsuffizienz) ist der Nutzen verschiedener Arzneien durch zahlreiche Untersuchungen gut belegt. Hier gibt es heutzutage ein anerkanntes Schema der Behandlung (siehe Medikamente gegen Herzschwäche im Überblick).

Neben der systolischen Herzinsuffizienz ist allerdings eine weitere Form der Erkrankung bekannt, die sogenannte diastolische Herzinsuffizienz. Sie geht weniger auf eine Pumpschwäche des Herzmuskels zurück als vielmehr darauf, dass die Herzkammern zu versteifen beginnen und sich nicht mehr richtig mit Blut füllen.

Bei dieser Krankheitsvariante ist die optimale Arzneitherapie weniger klar. Die Behandlung sollte daher stets zusammen mit einem Herzspezialisten (Kardiologen) individuell geplant werden. Grundsätzlich geht es beispielsweise darum, einen zu hohen Blutdruck oder eine zu hohe Herzfrequenz zu senken und die Symptome der Herzschwäche (z. B. Atemnot) zu bekämpfen. Dazu kommen oft dieselben Medikamente zum Einsatz wie bei systolischer Herzinsuffizienz auch, etwa ACE-Hemmer, Betablocker und Diuretika. Aktuell in Studien geprüft wird, ob sogenannte Aldosteron-Antagonisten den Krankheitsverlauf bei diastolischer Herzschwäche positiv beeinflussen.