„Entscheidend ist, dass jeder viel für sich tun kann“

Wenn eine Herzschwäche bei einem Patienten festgestellt wird, bringt dies langfristig Veränderungen im alltäglichen Leben mit sich. Wichtig für den Behandlungserfolg ist nicht zuletzt eine aktive Auseinandersetzung mit der Erkrankung, wie Ulrich Hofmann im Interview beschreibt.

Dr. Ulrich Hofmann betreut zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen die Herzschwäche-Ambulanz des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg. Foto: Romana Kochanowski
Foto von Dr. Ulrich Hofmann

Herr Dr. Hofmann, wenn bei Ihren Patienten eine Herzschwäche diagnostiziert wird, wie erleben das die Betroffenen selbst?

Dr. Ulrich Hofmann: Für viele Patienten ist es zunächst ein Schlusspunkt in einem längeren Prozess. Oft findet sich bei den Betroffenen eine Vorgeschichte mit unterschiedlichen Beschwerden. Sie berichten zum Beispiel, dass ihre Leistungsfähigkeit seit geraumer Zeit abnimmt oder sie bei körperlicher Belastung unter Luftnot leiden – ohne dass ihnen jemand genau sagen konnte, woran dies eigentlich liegt. Möglicherweise stand die Vermutung im Raum, dass etwas mit dem Herzen nicht in Ordnung ist. Wenn dann klipp und klar eine Herzinsuffizienz festgestellt wird, sind die meisten Patienten tatsächlich froh, dass endlich eine Diagnose gefunden wurde und sich der Grund ihrer Beschwerden benennen lässt.

Das heißt, eine Herzschwäche ist oft gar nicht so offensichtlich, wie man denken könnte?

Hofmann: Richtig. Häufig beginnt die Herzinsuffizienz schleichend und fällt anfangs nicht unbedingt auf. Bis zu einer Diagnose vergehen meist Monate, mitunter sogar Jahre. Eine abnehmende Leistungsfähigkeit beispielsweise wird gerade bei älteren Patienten oft auf einen natürlichen Abbauprozess geschoben – bis dann vielleicht der Ehepartner oder ein nahestehender Freund darauf dringt, dass doch noch einmal eine genauere Diagnostik durch einen Herzspezialisten durchgeführt wird.

Welche Untersuchungen sind dann unerlässlich?

Hofmann: Neben einer sorgfältigen Erhebung der gesundheitlichen Vorgeschichte und der aktuellen Symptome sollte bei einem Herzschwäche-Verdacht stets ein EKG und insbesondere ein Herzultraschall, eine Echokardiographie, durch einen erfahrenen Untersucher durchgeführt werden. Im weiteren Verlauf ist oft auch eine Herzkatheter-Untersuchung sinnvoll, um einen Durchblutungsmangel im Herzmuskel aufdecken zu können, der häufig als Ursache hinter einer Herzschwäche steht. Daneben gibt es eine Reihe ergänzender Diagnoseverfahren, etwa die Magnetresonanztomographie, die in bestimmten Fällen zum Einsatz kommen können.

Wenn die Herzinsuffizienz feststeht – was heißt das konkret für das weitere Leben?

Hofmann: Im Vordergrund steht oft die Frage nach den notwendigen Medikamenten. Die Herzinsuffizienz ist eine ernste und meist chronisch verlaufende Erkrankung. In der Regel müssen die Patienten daher täglich verschiedene Arzneien einnehmen, was nicht immer einfach zu akzeptieren ist. Gerade wenn sich die Herzschwäche anfangs durch starke Beschwerden bemerkbar gemacht hat, möglicherweise sogar im Krankenhaus behandelt wurde, und die Symptome dann durch die Therapie deutlich zurückgehen, ist es verführerisch zu glauben, alles sei im Grunde wieder gut und die Einnahme von Medikamenten nicht mehr nötig. Es ist menschlich, so zu denken. Doch anders als bei einer erfolgreich überstandenen Operation ist die Herzschwäche eine Erkrankung, die einen dauerhaft begleitet. Das erfordert regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt und beim kardiologischen Facharzt. Es erfordert aber auch, dass der Patient selbst mit der Herzschwäche und ihren Warnsymptomen umzugehen lernt und quasi zum Experten für den eigenen Körper wird.

Mit welcher Grundeinstellung sollten Betroffene der Erkrankung am besten begegnen?

Hofmann: Entscheidend ist, dass man bei Herzinsuffizienz selbst viel für sich tun kann – indem man auf sich achtet, einen gesunden Lebensstil verfolgt, sich aktiv mit der Erkrankung auseinandersetzt und bei der Therapie mitarbeitet. Man sollte sich nicht hängen lassen, sondern versuchen, immer wieder dranzubleiben. Wenn man es schafft, eine solche Grundhaltung einzunehmen, lässt sich auch die Erkrankung insgesamt besser im Griff behalten und eine hohe Lebensqualität lange Zeit bewahren.

 

Interview: Martin Lindner