An Studien teilnehmen

„Die Teilnahme an einer Studie kann sich günstig auf den Erkrankungsverlauf auswirken“

Für Patienten mit Herzschwäche ist es mitunter vorteilhaft, sich an Studien zur Herzinsuffizienz zu beteiligen. Insbesondere eine intensive Betreuung durch das ärztliche und pflegerische Studienteam zahlt sich häufig aus, wie Fabian Hammer im Interview verdeutlicht.

Dr. Fabian Hammer koordiniert mehrere klinische Studien am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg. Foto: Romana Kochanowski
Porträtfoto von Dr. Fabian Hammer

Herr Dr. Hammer, klinische Studien dienen dem allgemeinen Erkenntnisgewinn – was aber hat der einzelne Studienteilnehmer davon?

Dr. Fabian Hammer: Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Patienten an klinischen Studien teilnehmen. Für manche liegt eine Motivation darin, dass die gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft anderen Patienten zugutekommen werden, also mit anderen Worten die Allgemeinheit profitiert. Andererseits versprechen sich viele Studienteilnehmer aus nachvollziehbaren Gründen natürlich auch einen persönlichen Nutzen von einer Teilnahme.

Worin liegt der Nutzen konkret?

Hammer: Vergleichende Untersuchungen von Studienpatienten mit Patienten, die nicht an Studien beteiligt sind, haben gezeigt, dass sich die Teilnahme an einer klinischen Studie günstig auf den Erkrankungsverlauf auswirken kann. Mitunter führt dies sogar zu einer Verbesserung der Krankheitsprognose.

Jedoch können klinische Studien auch Risiken bergen.

Hammer: Prinzipiell ist das richtig und muss daher auch vor Einschluss eines Patienten in eine Studie in einem ausführlichen Gespräch mit dem Studienarzt besprochen werden. Beispielsweise kann sich ein neuartiges, bislang noch nicht zugelassenes Medikament in einer Arzneimittelstudie als wirkungslos, im ungünstigsten Fall sogar als riskant oder gar schädlich herausstellen. Bisweilen muss dann die Teilnahme einzelner Patienten oder im Extremfall sogar die gesamte Studie abgebrochen werden. Allerdings gibt es genaue Vorkehrungen, um solche Risiken zu minimieren. So durchlaufen neue Arzneistoffe verschiedenste Prüfungen zunächst im Labor und anschließend an gesunden Versuchspersonen. Und nur wenn das voraussichtliche Nutzen-Risiko-Profil günstig erscheint, wird die Einbeziehung einer größeren Gruppe von Patienten von der zuständigen Ethikkommission genehmigt. Dies stellt eine entscheidende Voraussetzung für die Durchführung einer Studie dar.

Um bei den Medikamentenstudien zu bleiben: Hierbei bekommt oft nur ein zufällig ausgewählter Teil der Patienten das eigentliche Mittel, ein anderer Teil erhält dagegen zum Vergleich ein Scheinmedikament, ein Placebo. Wo liegt dann der Vorteil für den Studienteilnehmer?

Hammer: Tatsächlich sind Patienten mitunter enttäuscht, wenn sie erfahren, dass ein solcher Vergleich mit einem Scheinmedikament wissenschaftlich notwendig ist und sie möglicherweise zur Placebo-Gruppe gehören. Jedoch beschränkt sich der Nutzen, den Studienteilnehmer von einer klinischen Studie haben, keineswegs auf den Umstand, in den Genuss einer neuen Arznei oder innovativen Behandlungsmethode zu kommen. Hier spielen noch eine ganze Reihe weiterer positiver Effekte hinein.

Welche sind das?

Hammer: Bei klinischen Studien werden Patienten in aller Regel sehr sorgfältig und intensiv betreut – intensiver zumeist, als dies in der normalen medizinischen Alltagsroutine möglich ist. Auch werden oft zusätzliche Untersuchungen vorgenommen, die über die übliche Routinediagnostik hinausgehen. Wir führen beispielsweise zurzeit am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz eine Studie durch, die den Einfluss der Herzschwäche auf die Hirnfunktion klären soll. Es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie, bei der die Patienten keine neuen oder zusätzlichen Medikamente bekommen. Allerdings erfolgen gezielte Untersuchungen, zum Beispiel neuropsychologische Tests, eine Magnetresonanztomographie des Gehirns und eine ausführliche Herz-Kreislauf-Diagnostik. All das ist sehr hilfreich, um die Erkrankung insgesamt besser kontrollieren und behandeln zu können oder auch um individuelle Risikofaktoren für einen Schlaganfall rascher zu entdecken.

Hat die Teilnahme an einer Studie neben solchen körperlich-medizinischen Aspekten auch eine positive psychologische Wirkung?

Hammer: In vielen Fällen ja. Eine klinische Studie ist keineswegs eine unpersönliche Angelegenheit. Vielmehr bildet sich zwischen den Studienteilnehmern und dem ärztlichen und pflegerischen Studienteam häufig ein echtes Vertrauensverhältnis. Gerade für Patienten mit schwereren Formen der Herzschwäche kann diese emotionale Komponente eine enorme Unterstützung darstellen.

Trotz alledem ist klar, dass eine klinische Studie einen zusätzlichen Aufwand für die Patienten mit sich bringt. Schreckt das einige nicht ab?

Hammer: Manche Patienten sagen in der Tat, dass ihnen zum Beispiel der regelmäßige Besuch im Studienzentrum zu beschwerlich oder die Anreise zu weit ist oder dass sie zusätzliche diagnostische Untersuchungen scheuen. Sehr selten springen Studienteilnehmer auch noch während der laufenden Studie wieder ab. Die meisten aber erleben ihre Teilnahme als etwas Positives. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ehemalige Studienpatienten sich später oft auch für weitere Studienprojekte gewinnen lassen.

 

Interview: Martin Lindner