Leben mit Herzinsuffizienz

Alltagsfragen zum Leben mit Herzinsuffizienz

Menschen mit Herzschwäche sollten so wenig wie möglich im Alltag eingeschränkt sein. Dabei helfen manche einfachen Regeln. Wichtig für Patienten ist, zum Experten für den eigenen Körper zu werden und auch Warnsymptome zu erkennen.

Bewegung, Freizeitaktivitäten, soziale Kontakte: Vieles kann dazu beitragen, trotz Herzschwäche ein zufriedenes Leben zu führen. Foto: Roland Waniek/Fotolia
Foto einer älteren Frau beim Ballspielen mit einem Kind

Eine Herzinsuffizienz muss nicht per se mit Einschränkungen im alltäglichen Leben einhergehen. Allerdings ist es wichtig, Warnzeichen einer Verschlimmerung der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Auch gibt es einige praktische Regeln, die es zu beachten lohnt:

Essen und Trinken

Es gibt keine spezifische Herzinsuffizienz-Diät. Man weiß jedoch, dass bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und zu ihrer Vorbeugung ganz generell die Mittelmeer-Küche empfehlenswert ist, also ein Speisezettel, der viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und stattdessen eher Fisch sowie Oliven- oder Rapsöl statt tierischen Fetten wie Butter oder Schmalz enthält.

Ein radikaler Salzverzicht ist, anders als früher geglaubt, bei Herzschwäche nicht nötig. Allerdings sollten stark gesalzene Lebensmittel wie Salami, roher Schinken, Pökelfleisch, Kartoffelchips und Salzgebäck vermieden werden. Auch ist es ratsam, Fertiggerichte und Gewürzmischungen nicht oder nur selten zu konsumieren und bei Tisch nicht nachzusalzen. Grundsätzlich bindet Salz im Körper das Wasser, was zu einer größeren Flüssigkeitsmenge im Kreislauf und damit auch zu einer höheren Belastung des Herzens führen kann.

Aus demselben Grund sollten Menschen mit Herzinsuffizienz die Aufnahme exzessiver Flüssigkeitsmengen von mehr als drei Litern pro Tag unbedingt vermeiden. Für viele Patienten sind tägliche Trinkmengen von anderthalb bis zwei Litern angemessen, allerdings kann es bei schwereren Erkrankungsformen oder starken Flüssigkeitseinlagerungen im Körper notwendig sein, die Trinkmenge zu beschränken. Prinzipiell ist Zurückhaltung gegenüber alkoholischen Getränken geboten.

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Kontrolle des Körpergewichts

Durch eine Herzschwäche bilden sich oft Wasseransammlungen im Körper (Ödeme). Ein Hinweis darauf ist die Zunahme des Körpergewichts. Mitunter ziehen die Flüssigkeitseinlagerungen eine Behandlung im Krankenhaus nach sich, insbesondere wenn sie in der Lunge auftreten. Werden sie jedoch frühzeitig erkannt, lassen sich Komplikationen und Klinikaufenthalte verhindern.

Bei allen Patienten, die zu Ödemen neigen, ist ein tägliches Gewichtsprotokoll daher von großer Bedeutung. Nicht wenige lernen im Laufe der Zeit, die notwendige Dosis von harntreibenden Medikamenten (Diuretika) selbstständig anhand des Körpergewichts anzupassen. Eine rasche Gewichtszunahme ist stets ein Warnzeichen einer sich verschlechternden Herzfunktion (und hat nichts mit einem Dickerwerden im herkömmlichen Sinn zu tun).

Die Messung des Körpergewichts sollte immer unter den gleichen Bedingungen erfolgen, beispielsweise am Morgen nach dem Gang zur Toilette, ohne Bekleidung und ohne Schuhe. Es kann sinnvoll sein, sich einmal oder auch mehrmals täglich zu wiegen. Zusätzlich zum Gewicht können etwa auch Blutdruck, Puls oder die Körpertemperatur in das Symptomtagebuch eingetragen werden.

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Reisen und Fliegen

Patienten mit leichteren Schweregraden der Herzschwäche (sogenannte NYHA-Stadien 1 und 2) können in der Regel ohne wesentliche Einschränkungen verreisen. Bei Reisen in schwül-heiße Regionen ist mitunter allerdings eine Anpassung der Arzneitherapie notwendig. Auch sind Aufenthalte in Höhen über 1.500 Meter mit einem gesteigerten Gesundheitsrisiko verbunden, da die Luft im Gebirge weniger Sauerstoff enthält.

Dies gilt ebenso an Bord eines Flugzeugs: Der Sauerstoffgehalt in der Kabine liegt bei einer Reiseflughöhe von 10.000 Meter in etwa so hoch wie bei einem Gebirgsaufenthalt auf 2.000 bis 2.500 Metern Höhe. Eine einfache Regel besagt, dass Patienten, die ohne Atemnot zwei Stockwerke steigen können, normalerweise flugtauglich sind. Stellt sich dagegen Atemnot bereits in körperlicher Ruhe ein (sogenannte Ruhedyspnoe), sollten Flugreisen unterbleiben. Auch bringen längere Reisen im Flugzeug das Risiko eines Wassermangels, der Bildung von Wassereinlagerungen (Ödemen) oder von Blutgerinnseln (Thrombosen) mit sich. Im Einzelfall sollten Patienten längere Reisen daher stets mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.

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Sport

Eine regelmäßige sportliche Aktivität wirkt sich bei vielen Menschen mit Herzschwäche positiv auf Lebensgefühl und Lebensqualität aus und ist im Idealfall ein selbstverständlicher Teil des eigenen Alltags. Dabei sollte die persönliche körperliche Belastbarkeit mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin besprochen werden. Darüber hinaus bieten Herzsportgruppen die Möglichkeit, Sport zusammen mit anderen Patienten unter ärztlicher Anleitung zu betreiben. Als Faustregel gilt, dass ein Belastungsgrad unproblematisch ist, bei dem man sich noch flüssig unterhalten kann.

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Sexualität

Patienten, aber auch ihre Partner haben oft Befürchtungen, dass sexuelle Aktivitäten zu anstrengend und gefährlich sein könnten. Grundsätzlich brauchen Menschen mit Herzschwäche ihr Sexualleben aus medizinischer Sicht jedoch nicht einzuschränken, solange sie zu leichteren körperlichen Aktivitäten in der Lage sind. Das bedeutet, dass sie beispielsweise zwei Etagen steigen können, ohne dabei Atemnot, Schwindel oder Druck in der Brust zu empfinden.

Häufig spüren die Partner der Patienten, wenn sie sich beim Sex überanstrengen könnten. Es ist daher durchaus hilfreich, diese Fragen zu zweit mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu besprechen.

Sogenannte Betablocker, die zu den Standardmitteln in der Herzinsuffizienz-Therapie gehören, können bisweilen Potenzstörungen verursachen. In diesem Fall sollte ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbart, das Medikament jedoch nicht plötzlich abgesetzt werden.

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Seelische Beschwerden

Eine Herzinsuffizienz kann mit Gefühlen der Unsicherheit, mit Ängsten und oft auch mit Depressionen einhergehen. Manche Erkrankte werden sehr vorsichtig, andere fühlen sich lustlos, antriebsschwach oder traurig. Dies kann dazu führen, dass Unternehmungen mit Freunden und Verwandten seltener stattfinden und die sozialen Kontakte abnehmen.

Zum Teil sind diese Probleme eine normale seelische Reaktion auf die Erkrankung und auch von anderen chronischen Leiden bekannt. Allerdings führen sie auf Dauer zu einem Verlust an Lebensqualität und sollten daher offen gegenüber dem Arzt oder der Ärztin angesprochen werden. Auch Verunsicherungen und Ängste, an einer Herzinsuffizienz plötzlich zu sterben, werden von manchen Patienten empfunden. Die Betroffenen sollten sich nicht scheuen, solche Sorgen in Worte zu fassen und mit ihren behandelnden Ärzten über Möglichkeiten der Unterstützung und Hilfestellung zu sprechen.

In einem Teil der Fälle können bei seelischen Beschwerden eine Psychotherapie oder Antidepressiva hilfreich sein. Oft profitieren Patienten davon, wenn sie Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga erlernen. Auch Bewegung und Sport können helfen, eine Krise zu überwinden.

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