Leben mit Herzinsuffizienz

Leben mit einem eingepflanzten Defibrillator

Das Leben mit einem „Defi“ ist gerade zu Anfang meist mit vielen Fragen verbunden. Im medizinischen Sprachgebrauch wird in der Regel die Abkürzung ICD (Implantable Cardioverter Defibrillator) verwendet. Das Einsetzen des Geräts erfolgt prinzipiell wie bei anderen Schrittmachersystemen auch. Implantierte Defibrillatoren dienen dazu, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu erkennen und durch elektrische Impulse („Elektroschocks“) zu unterbrechen. Sie schützen Patienten mit einer entsprechenden Risikokonstellation vor einem plötzlichen Herztod. Die Entscheidung für einen Defi muss sehr sorgfältig und anhand der individuellen gesundheitlichen Situation getroffen werden.

Wie die elektrischen Schocks erlebt werden

In der ersten Zeit nach dem Einsetzen eines Defibrillators leben Patienten oft in einem Zwiespalt. Sie haben einerseits Angst vor dem ersten Elektroschock. Andererseits ist ihnen bewusst, dass das Gerät lebensrettend sein kann. Manchen fällt die Vorstellung schwer, ihr Leben hänge von einer kleinen Maschine ab. Allerdings gewinnt mit der Zeit oft das Vertrauen in den Defi die Oberhand, der von der Mehrheit der Defi-Träger als eine Rückversicherung, eine Art ständiger Notarzt, empfunden wird. Viele erleben die Abgabe eines Schocks durch das Gerät daher auch nicht als leidvolles Ereignis, sondern eher als Beweis, dass die Entscheidung richtig war, einen Defi einsetzen zu lassen.

Die Stromimpulse selbst werden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Einige Patienten verspüren nur ein Kribbeln oder ein unangenehmes Gefühl, die meisten empfinden allerdings einen mehr oder weniger starken Stoß in der Brust. Manche fühlen sich auch benommen oder werden vorübergehend bewusstlos. Nicht wenige ICD-Träger haben ein Vorgefühl, dass eine Entladung folgt, und können sich hinsetzen oder hinlegen.

Alltagstätigkeiten mit Defi

Autofahren im privaten Rahmen ist mit einem Defi in einem Teil der Fälle durchaus möglich, insbesondere wenn der Defi-Träger noch nie einen Herzstillstand erlebt hat und bei Abgabe eines Schocks durch das Gerät keine Ohnmacht auftritt. Dies sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Starke Magnetfelder (z. B. durch große Elektromotoren oder Magnetresonanztomographen) sind zu meiden. Normale Haushaltsgeräte verursachen dagegen in der Regel keine Probleme. Auch Mobiltelefone dürfen genutzt werden, am besten ist es, sie auf der dem Defi gegenüberliegenden Körperseite zu tragen und auf dem gegenüberliegenden Ohr zu telefonieren. Sicherheitsschleusen, etwa an Flughäfen, geben bei ICD-Trägern Alarm. Patienten sollten daher ihren Defibrillatorausweis bei sich tragen.

Sexuellen Aktivitäten steht ein Defi nicht im Wege. Die elektrische Spannung geht bei einer Umarmung nicht auf den Partner über. Ebenso können Defi-Träger im Rahmen ihrer körperlichen Belastbarkeit Sport treiben.

Austausch mit anderen

Häufige Elektroschocks, vor allem wenn sie auf eine Gerätestörung zurückgehen, können belastend sein und Verunsicherung auslösen. Auch erfahren Menschen mit einem eingepflanzten Defi mitunter Gefühle der Angst und Depression. Es ist daher für ICD-Patienten sehr wichtig, ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt oder ihrer Ärztin zu haben und Sorgen und Ängste offen aussprechen zu können. Ein Defibrillator kann am Ende des Lebens deaktiviert werden, wenn dies dem Wunsch des Patienten entspricht.

Viele Defi-Träger profitieren davon, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Die Gruppen bieten die Möglichkeit, Erfahrungen direkt unter Betroffenen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.